Wie kommt man eigentlich dazu, ein innovatives Material zu erfinden? Diese Frage ist mir schon oft gestellt worden. Vielleicht interessiert es auch dich - also erzähle ich hier meine Geschichte.

 

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Alles hat in jenem Sommerurlaub 1995 angefangen. Mein Mann und ich waren mit unseren zwei kleinen Töchtern ans Meer gefahren, in die Nähe von Venedig. Die meiste Zeit verbrachten wir mit den Kindern am Strand. Natürlich war auch der eine oder andere Tagesausflug nach Venedig eingeplant. Die Lagunenstadt ist ein magischer Ort, aber bist Du dort schon einmal mit einer lebhaften Zweijährigen unterwegs gewesen? Man kann die Kinder nicht einen Moment aus den Augen lassen, da sie vermeintlich die ganze Zeit in einen der Kanäle zu fallen drohen. So musste ich meine Aufmerksamkeit ständig zwischen kulturellen Highlights, die mich brennend interessierten, und meinen umtriebigen Töchtern aufteilen. Niemals hätte ich gedacht, dass dieser Tag eine Wende in meinem Leben bedeuten würde.

 

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Irgendwann betraten wir mit Kind und Kegel eines dieser Touristengeschäfte mit venezianischen Masken. Es waren aber nicht die perfekt bemalten und dekorierten Exemplare, die mich fesselten, sondern ein unscheinbarer Korb mit weißen Rohlingen zum Selbergestalten. Staunend nahm ich diese leichten Gebilde in die Hand und erkannte, dass es sich bei ihnen um Abgüsse aus Papiermaché handeln musste.

 

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Es war für mich eine Art Offenbarung: Aha, man kann mit dem Werkstoff Papier, also mit pflanzlichen Fasern, Abgüsse von dreidimensionalen Objekten machen! Ich war fasziniert und brachte einen dieser Maskenrohlinge als Urlaubstrophäe mit nach Hause. Das war der Beginn einer Geschichte, die völlig unerwartet in mein Leben kam. Denn ich habe einmal Sozialpädagogik studiert und leite heute eine Schmuck- Manufaktur. Aber alles der Reihe nach.

 

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Inspiriert durch den Maskenrohling, begann ich, mich mit pflanzlichen Fasern und Papierschöpfen zu beschäftigen. Zunächst richtete ich mir im Untergeschoss unseres Hauses eine Werkstatt ein, in der ich tagein tagaus fieberhaft experimentierte. Anfangs mit ganz banalen Stoffen wie Eierkartons und Papierservietten. Im fortgeschrittenen Stadium ging ich in die Landschaft, schnitt Schilf am Neckar, sammelte Bärenklau und Schachtelhalm, um daraus ganz besonderes Pflanzenpapier zu schöpfen.

Immer wieder suchte ich Workshops auf. Könner des Fachs, so beispielsweise der Paper Artist John Gerard, brachten mir solides Handwerkszeug bei. Weiteres Lernen geschah in Eigenregie mittels Versuch und Irrtum.

 

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Durch einen glücklichen Zufall konnte ich einen der äußerst selten angebotenen gebrauchten „Holländer“ erstehen, eine professionelle Maschine zur Aufbereitung von Pflanzenfasern für die Papierherstellung. Dieser „Holländer“ leistet uns auch heute noch in unserer Manufaktur gute Dienste.


Über die Zeit entstand beim Experimentieren ein ganz neuartiges Material aus Flachsfasern, das von Anfang an viele Menschen begeisterte. Meine Erfindung war formbar, im gehärteten Zustand jedoch robust, lichtecht und wasserfest - dabei so leicht und ästhetisch, dass es eine Freude war. Ich nannte das Material Paperpearl, ein Phantasiewort, das mir spontan in den Sinn kam. Doch dieses Wort hat eine tiefere Bedeutung, es verweist darauf, dass etwas Alltägliches wie der Werkstoff Papier in etwas Besonderes, etwas Kostbares verwandelt wird. Denn im Englischen steht der Begriff Pearl ausschließlich für die wertvolle echte Muschelperle.

 

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Und dann kam der Schmuck! Die ersten handgeformten Perlen, die ersten daraus gefädelten Ketten, damals noch in Kombination mit Silber. Schließlich eine Vision: Aus meinem ureigenen Material wollte ich besondere, hochwertige Schmuckstücke entwickeln, farbenfroh, individuell, ein Synonym für pure Lebensfreude! Was als eher spielerischer Versuch begann, wurde mit wachsendem Erfolg immer inspirierter und im Jahr 2008 professionell.

 

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Mit der Gründung der Galerie dreiraum in Tübingen fanden meine Kollektionen ihre erste Bühne. Seither bin ich Schmuckdesignerin. Ein Meilenstein war die Erfindung von Paperpearl CHANGE, dem innovativen Wechselschmuck, der seit 2010 als Gebrauchsmuster anerkannt und geschützt ist. Paperpearl CHANGE wurde in dem Moment in meinem Kopf geboren, als eine Weberin mir ihre Brosche zeigte, deren Trägerplatte aus magnetischem Edelstahl gefertigt war. Und wieder war es ein einziger zündender Gedanke: Aha, es gibt also magnetischen Edelstahl! , der zur Entwicklung eines innovativen Produktes führte. Es hat dann noch etwa zwei Jahre gedauert, bis unser Wechselschmuck-System technisch ausgereift war.

 

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Durch die Entwicklung von Paperpearl CHANGE hat der Edelstahl Eingang in meine Schmuckwelt gefunden und das Silber abgelöst. Ich entdeckte, dass Edelstahl als modernes Schmuckmetall mit vielen Vorzügen punkten kann. Insbesondere, was die Hautverträglichkeit angeht, und die Tatsache, dass es beim Gebrauch nicht schwärzt. Parallel zu den Designentwicklungen entstand in jahrelanger "Alchemie" eine berauschende Farbpalette, die in der Region rasch zu unserem Markenzeichen wurde. So gewann unser Schmuck schon Freunde, noch ehe die Marke Paperpearl® ihren offiziellen Eintrag ins Register fand.

 

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An unserem Standort Rottenburg am Neckar gibt es seit 2012 eine Ladengalerie für Paperpearl, die direkt unserer Manufaktur angeschlossen ist. Dort fertigt unser Team den Paperpearl Schmuck mit Herz und Hand. Apropos Team,  hier haben sich Menschen zusammengefunden, für die allesamt das Motto unserer Story wegweisend ist: "do what you love - love what you do". 

 

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Der Erfolg beflügelt uns: Paperpearl Schmuckstücke sind bereits auf allen Kontinenten vertreten - und seit 2016 auch in diversen Juweliergeschäften, kunsthandwerklichen Galerien und Concept Stores in Deutschland und im europäischen Ausland. Wir dürfen stolz sein: Seit neuestem findet man ein schönes Sortiment unseres Schmucks sogar in einer edlen Ladenkette in Tokio.
Übrigens: Wir sind ganz offen! Wenn Du Dich mit eigenen Augen davon überzeugen willst, dann schau doch einmal in unserer Manufaktur vorbei. Wir freuen uns auf Dich!

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